5 nach 12 – alle an die Kundgebung für eine sichere Gesundheitsversorgung, für angemessene Arbeitsbedingungen für das Gesundheitspersonal und die Umsetzung – endlich! – der Pflegeinitiative.
Das Gesundheitspersonal protestiert: Mehr als 5000 Personen auf dem Bundesplatz
Mehr als 5000 Personen – in der Mehrheit Arbeitnehmende aus dem Gesundheitswesen – demonstrieren heute Nachmittag vor dem Bundeshaus für eine sichere Gesundheitsversorgung. Sie sind betroffen von schlechten Arbeitsbedingungen und Fachkräftemangel im Gesundheitswesen und werfen Bund und Kantonen vor, nicht genug für eine Verbesserung der Situation zu unternehmen.
Vor vier Jahren – im November 2021 – haben 61 Prozent der Stimmbevölkerung der Pflegeinitiative zugestimmt. Der wichtigste Teil der Initiative, sichere Stellenschlüssel, anforderungsgerechte Arbeitsbedingungen und eine ausreichende Finanzierung sind aber noch immer nicht umgesetzt.
Stattdessen sinkt das Gesundheitswesen immer tiefer in die Krise: Die Schweizer Bevölkerung wird älter, der Bedarf an Behandlung, Pflege und Betreuung steigt unaufhaltsam. Das Gesundheits- und Pflegepersonal leistet immer mehr, viele sind überlastet, brennen aus und verlassen ihren Beruf. Kranke Menschen warten teils monatelang auf psychiatrische oder psychologische Behandlung oder einen Platz bei einer Hausärztin oder einem Kinderarzt, wohnortsnahe Geburtenabteilungen werden geschlossen und der Zugang zu Gesundheitsleistungen eingeschränkt.
Diese Krise ist die Folge einer fehlgeleiteten Gesundheitspolitik von Bund und Kantonen: Unsere Spitäler und Pflegeheime sind unterfinanziert, was zu schlechten Arbeitsbedingungen für das Personal führt. Pflegende verlassen den Beruf, Assistenzärzt:innen sind auch deshalb zunehmend überlastet, daraus entsteht ein Teufelskreis. Je mehr den Beruf verlassen, desto schwieriger werden die Bedingungen für die verbleibenden Fachkräfte – desto mehr geben ebenfalls auf. Die Folge ist eine medizinische und pflegerische Unterversorgung für die breite Bevölkerung mit unabsehbaren gesellschaftlichen Folgekosten. Fünf vor 12 ist schon längst vorbei.
Das Gesundheitspersonal – Pflegende, Assistenz- und Oberärzt:innen, Ergotherapeut:innen, Hebammen, Physiotherapeut:innen, Radiologiefachpersonen usw. –braucht mehr Zeit für gute Arbeit, genügend Erholungszeit, eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, mehr Mitsprache und vor allem eine Anerkennung ihrer systemrelevanten Rolle und der damit einhergehenden Bedingungen. Das Personal muss ein Licht am Ende des langen dunklen Tunnels sehen, in dem es sich abmüht. Dazu braucht es mutige politische Entscheidungen, die die Bedürfnisse des Personals und der breiten Bevölkerung in den Mittelpunkt stellen.
Einen grossen Schritt können die Nationalrätinnen und Nationalräte im Dezember machen, wenn sie über die zweite Etappe der Umsetzung der Pflegeinitiative debattieren. Der Gesetzesvorlage fehlen im Moment zentrale Elemente: Sie beinhaltet weder sichere Stellenschlüssel noch eine ausreichende Finanzierung und ohne diese Punkte sind die nötigen besseren Arbeitsbedingungen nichts als Schall und Rauch. Das Parlament muss dem Auftrag einer klaren Mehrheit der Stimmbevölkerung nachkommen und die Pflegeinitiative endlich umsetzen – und zwar wirksam und lückenlos. Die Verbesserung der Bedingungen für die Pflege ist zentral und muss Signal sein auch für die weiteren Berufsgruppen im Gesundheitswesen.
Es ist 5 nach 12, aber das Ruder kann noch herumgerissen und das Boot in sichere Gewässer geführt werden.
Wir, das Gesundheitspersonal und alle besorgten Einwohner:innen der Schweiz, gehen auf die Strasse – für eine sichere und gerechte Gesundheitsversorgung und eine gute Pflege für Alle, für faire Arbeitsbedingungen und für eine vollständige Umsetzung des Volkswillens.
Die Mitgliedorganisationen des Bündnisses – Stand 18. September 2025: