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Jahresbericht 2023

Am Runden Tisch Lösungen finden

Wir blicken auf ein überaus ereignisreiches und intensives vsao-Jahr zurück. Im Frühling publizierten wir die Ergebnisse unserer Mitgliederumfrage, die wir seit 2013 alle drei Jahre durchführen. Es zeigte sich, dass sich die Arbeits- und Weiterbildungsbedingungen für Assistenz- und Oberärzt:innen an Schweizer Spitälern nicht verbessert, sondern gegenüber den Vorjahren insgesamt erneut verschlechtert haben.

Auch in der Öffentlichkeit ist dieser Befund angekommen, zahlreiche Medienberichte zeugen davon. Das reicht aber nicht. Wir wollen die Probleme – zu lange Arbeitszeiten, zu viel Bürokratie, ungenügende Weiterbildung – nicht nur offenlegen, sondern auch und vor allem Lösungen dafür finden. Dies ist nur gemeinsam möglich, deshalb luden wir alle relevanten Akteure zu einem Runden Tisch ein. Aus diesem haben sich mittlerweile drei Untergruppen gebildet, die konkrete Lösungswege weiterverfolgen.  

Ein wichtiges Element ist die 42+4-Stunden-Woche, deren Einführung wir weiterhin an möglichst vielen Spitälern anstreben. Genau gleich wichtig sind aber unsere Anstrengungen, die Bürokratie in den Spitälern zu reduzieren – nur so wird es gelingen, dass Ärzt:innen wieder mehr Zeit mit Patient:innen statt am Computer verbringen. Und nur mit der Reduktion von administrativen Tätigkeiten wird es möglich sein, die Arbeitszeiten zu senken.

Wir freuen uns sehr, diese Arbeiten 2024 gemeinsam mit Ihnen und allen anderen, mittlerweile über 22’000 vsao-Mitgliedern weiterzuverfolgen.

Herzlich, Ihr/Ihre

Angelo Barrile 
Präsident    

Nora Bienz
Vizepräsidentin

Severin Baerlocher
Vizepräsident

Rückblick

  • Leitfaden zu Planetary Health

    «Der Klimawandel stellt die grösste gesundheitliche Bedrohung unseres Jahrhunderts dar» – so drückt es die FMH in ihrer Strategie zu Planetary Health aus. Ärzt:innen haben deshalb eine Verantwortung und ein Interesse, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Innerhalb des vsao kümmert sich eine Arbeitsgruppe um den Umgang mit Planetary Health und Klimawandel. Die Sektion Zürich hat zudem einen Leitfaden mit konkreten Handlungsmöglichkeiten erarbeitet, der nun auch auf Französisch und Italienisch zur Verfügung steht.

    Bild: vetre
  • Erfolgreicher medifuture-Kongress

    Auch dieses Jahr war medifuture, unser Laufbahnkongress für Medizinstudierende und Assistenzärzt:innen, ein voller Erfolg. Mit über 450 Teilnehmenden im Berner Wankdorfstadion wurde ein neuer Rekord aufgestellt. Besonders beliebt waren dieses Jahr das Angebot eines kostenlosen Fotos für den CV sowie die Stände der Spitäler und Fachgesellschaften.

  • Webinare und Workshops

    Im 2023 führte der vsao verschiedene Weiterbildungsveranstaltungen für Mitglieder und Interessierte durch, z.B. zwei Webinare für Studierende. Eines widmete sich dem Umgang mit Nachtdiensten, das andere der Kommunikation im Spital. Die Workshops beschäftigten sich unter dem Titel «Future Women Physicians» dem Thema der Förderung von Frauen in Führungspositionen. Auch 2024 sind wiederum eine Reihe solcher und ähnlicher Veranstaltungen geplant.

  • Support für das EPD

    In Sachen Digitalisierung hat das schweizerische Gesundheitswesen grossen Nachholbedarf. Mit durchdachten digitalen Lösungen kann viel Zeit, die Ärztinnen und Ärzten heute für administrative Arbeiten aufwenden müssen, für andere, zentralere Aufgaben genutzt werden. Die vom Bundesrat vorgeschlagene Revision des Bundesgesetzes über das elektronische Patientendossier (EPDG) ist ein Schritt in diese Richtung. Der vsao signalisierte in seiner Stellungnahme Unterstützung für das Projekt.

    Bild: ipopba
  • 42+4-Stunden-Woche

    Die 42+4-Stunden-Woche für Assistenzärzt:innen gab im 2023 viel zu reden, in den Spitälern, aber auch in den Medien. Die wichtigsten Fragen dazu klären wir in einem ausführlichen Factsheet, das online verfügbar ist. Das Factsheet erklärt, was unter der 42+4-Stunden-Woche für Assistenzärzt:innen zu verstehen ist, welche Elemente für die Umsetzung entscheidend sind und welche Vorteile das Modell mit sich bringt.

    Bild: Jacob Lund
  • Konstruktiv am Runden Tisch

    Im Juni organisierte der vsao einen Runden Tisch mit Vertreterinnen und Vertretern des Bundesamts für Gesundheit (BAG), der Kantone (GDK), des Spitalverbandes H+, der FMH, des Vereins der leitenden Spitalärztinnen und -ärzte (VLSS), und des Schweizerischen Instituts für ärztliche Weiter- und Fortbildung (SIWF) fand am vergangenen Freitag in Bern statt. Die Diskussionen über die schwierige Arbeits- und Weiterbildungssituation der jungen Ärztinnen und Ärzte an Schweizer Spitälern verliefen konstruktiv und wurden danach in drei Gruppen zu den Themen Arbeitsbedingungen, Weiterbildung und Bürokratiereduktion weitergeführt.

  • Eine Rose für das USZ

    Der vsao zeichnete 2023 das Institut für Intensivmedizin des Universitätsspitals Zürich (USZ) mit der jährlich verliehenen Spitalrose aus. Damit honorierte er die Bemühungen des Instituts, die zu langen Arbeitszeiten der Assistenzärztinnen und -ärzte zu verkürzen. Konkret wurde das Pilotprojekt zur Einführung einer 42+4-Stunden-Woche ausgezeichnet. Aus dem Pilotprojekt ist mittlerweile der Regelbetrieb geworden und die Erfahrungen sind sehr positiv.

  • Arztberuf und Privatleben

    Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben ist gerade auch bei jungen Ärztinnen und Ärzten wichtig. Wie setzen das Spitäler und Ärzteschaft in der Praxis um? Was sind gute Beispiele und welche Stolpersteine gilt es zu beachten? Diese und andere Fragen wurden an der Tagung «Vereinbarkeit Ärzteberuf und Privatleben» an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) in Olten diskutiert. Hilfreiche Tipps und 25 konkrete Massnahmen für mehr Vereinbarkeit gibt es in der «Wegleitung Vereinbarkeit» der FHNW.

    Bild: contrastwerkstatt
  • GAV in Zürich gekündigt

    Im April hat die Sektion Zürich des vsao den Gesamtarbeitsvertrag (GAV) für Assistenzärztinnen und -ärzte mit dem Kanton Zürich per Ende 2023 gekündigt. Hauptgründe sind die im GAV festgeschriebene wöchentliche Sollarbeitszeit von 50 Stunden, die die Mitglieder und der Verband als nicht mehr zeitgemäss erachten sowie die «kaum gelebte Sozialpartnerschaft mit den kantonalen Kliniken». Nach der Kündigung wurden Gespräche aufgenommen, um einen neuen GAV auszuhandeln.

  • Bürokratie reduzieren

    Ärztinnen und Ärzte verbringen heute leider viel zu viel Zeit mit administrativen Aufgaben statt am Krankenbett. Mit der Kampagne «Medizin statt Bürokratie!» und dem dazugehörigen Handbuch setzt der vsao einen Kontrapunkt – konstruktiv und konkret. Das Handbuch liefert konkrete Handlungsvorschläge, wie Projekte zur Bürokratie-Reduktion in Spitälern erfolgreich durchgeführt werden können. vsao-Mitglieder erhalten zudem kostenlos eine halbstündige, professionelle Beratung für ihr eigenes Projekt.

  • Gesetzliche Grundlage fehlt

    Anfang Jahr erklärte das Kantonsgericht Basel-Landschaft den seit April 2022 gültigen Zulassungsstopp für acht medizinische Fachrichtungen für ungültig, da die gesetzliche Grundlage auf Kantonsebene fehle. Der Entscheid gab schweizweit zu reden und sorgte dafür, dass sich die Umsetzung der Zulassungssteuerung in vielen Kantonen verzögerte. Gleichzeitig begann der Bund 2023 mit einer Überarbeitung der Versorgungsgrade – eine der Grundlagen für die Umsetzung der Zulassungssteuerung.

    Bild: metamorworks/Adobe Stock
  • Erschöpfung nimmt immer mehr zu

    Im Januar starteten wir unsere Mitgliederbefragung, die alle drei Jahre stattfindet. Die Ergebnisse zeigten, dass das Arbeitsgesetz in Spitälern weiterhin regelmässig missachtet wird. Im Durchschnitt arbeiten Assistenz- und Oberärztinnen und -ärzte bei einem 100%-Pensum mehr als 56 Stunden pro Woche. Immer häufiger fühlen sie sich deswegen müde, ausgelaugt und erschöpft. Diese Resultate sorgten schweizweit für Aufsehen und wurden auch in den Medien breit aufgenommen.

    Bild: joyfotoliakid

Zahlen und Fakten

Wir sind bald soweit!

Die Zahlen und Fakten zum vsao-Jahr 2022 folgen nach der Sitzung des Zentralvorstands am 29. April 2023.