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Aktuelle Situation im SIWF

Wartefristen und aktuelle Entwicklung

Die Situation beim Schweizerischen Institut für ärztliche Weiter- und Fortbildung (SIWF) bezüglich der Wartezeiten für Facharzttitel hat sich seit dem Sommer noch einmal deutlich verschlechtert: über 2500 Gesuche sind hängig und die Wartezeit beträgt gemäss SIWF ca. 12 Monate. Der Schaden, der den Betroffenen durch diese massive Verzögerung entsteht, ist riesig: die Karriere ist blockiert und den Betroffenen entsteht finanzieller Schaden durch verpasse Lohnerhöhungen.

Die Ärztekammer der FMH hat am 6. November 2025 nach Anträgen des vsao wichtige Massnahmen beschlossen. Das Wichtigste: Die FMH unterstützt das SIWF dabei, die Bearbeitungsdauer von Titelgesuchen so schnell wie möglich zu senken – auch mit personellen Ressourcen. Die FMH und das SIWF arbeiten gemeinsam an einer Verbesserung der Kommunikation mit den Gesuchstellenden und gegenüber der Öffentlichkeit. Die Ärztekammer empfahl zudem den zuständigen Entscheidgremien des SIWF, eine befristete Gebührenreduktion von 50% für betroffene Ärzt:innen zu gewähren, wenn die Titelerteilung mehr als sechs Monate dauerte.

Diese Empfehlung für einen Rabatt auf die Titelerteilungsgebühr wurde an der SIWF-Vorstandssitzung vom 20.11.2025 ohne Gegenstimme angenommen und kann nun umgesetzt werden. Weitere Informationen zum aktuellen Stand und dem weiteren Vorgehen gibt es in der entsprechenden Mitteilung des SIWF sowie auf der Website des SIWF. Der vsao bleibt mit allen Partnern in engem Kontakt und setzt sich dafür ein, dass die Bearbeitungszeiten rasch sinken.

Was unternimmt der vsao?

Seit Jahren pocht der vsao auf Verbesserungen bei der Titelerteilung, seit Januar 2025 intensiver denn je. Hier die wichtigsten Punkte aus dieser Chronik:

Der Vorstand des SIWF hat an seiner Sitzung vom 20. November beschlossen, die Gebühren für die Erteilung von Facharzttiteln befristet um 50% zu senken. Von dieser Massnahme profitieren Assistenzärztinnen und -ärzte, die seit dem 1. Januar 2025 von langen Wartezeiten im Anerkennungsverfahren betroffen sind.

Zudem veröffentlicht das SIWF auf seiner Website eine Mitteilung zu diesem Beschluss und ein FAQ mit den wichtigsten Fragen und Antworten zum aktuellen Stand in Sachen Titelerteilung.

Die Ärztekammer der FMH trifft am 6. November 2025 wichtige Entscheidungen zu Lösung der SIWF-Krise. Das Wichtigste: Die FMH unterstützt das SIWF dabei, die Bearbeitungsdauer von Titelgesuchen so schnell wie möglich zu senken – auch mit personellen Ressourcen. Die FMH und das SIWF werden gemeinsam an einer Verbesserung der Kommunikation mit den Gesuchstellenden und gegenüber der Öffentlichkeit arbeiten. Die Ärztekammer empfiehlt zudem den zuständigen Entscheidgremien des SIWF, eine befristete Gebührenreduktion von 50% für betroffene Ärzt:innen zu gewähren, wenn die Titelerteilung mehr als sechs Monate dauerte. Diese Entscheide sind ein Kompromiss, der aufgrund der klaren Forderungen und Verhandlungen des vsao möglich wurde. Weitere Informationen zu den Beschlüssen in der Medienmitteilung der FMH.

In einem offenen Brief an SIWF und FMH fordert der vsao:

  • Anerkennung der Krise als solche und konsequentes Handeln mit allen verfügbaren Mitteln
  • transparente und offene Kommunikation
  • Vollständiger Gebührenerlass für alle, die mehr als 90 Tage auf Ihren Titel gewartet haben
  • Finanzielle Unterstützung für Betroffene

Diese Forderungen formuliert der vsao auch in einem Antrag zuhanden der Ärztekammer vom 6. November. Darüber berichten medinside und die SRF-Tagesschau

Der vsao verfügt in der Ärztekammer über 40 von 200 Sitzen – es braucht also auch die Unterstützung durch Fachgesellschaften und kantonale Ärztegesellschaften.

Erneute Medienberichte und ein Vorstoss im nationalen Parlament – aber: Am 3. Oktober gibt das SIWF bekannt, dass die Wartefrist mittlerweile 12 Monate beträgt. 

Das SIWF scheint den Ernst der Lage noch nicht ausreichend erkannt zu haben. Im SIWF-Vorstand beantragt der vsao:

  • Ausbau der Ressourcen für die Titelerteilung
  • Hilfsangebote von Fachgesellschaften annehmen
  • Priorisierung der Titelerteilung
  • Gebührenreduktion um 50% rückwirkend auf den 1.1.2025 für alle Gesuche, deren Bearbeitung länger als 90 Tage dauerte

Trotz weiterer Bemühungen, direkt Druck auf das SIWF auszuüben, zeichnet sich keine Verbesserung der Situation ab, im Gegenteil. Der vsao und die Sektionen bearbeiten mehrere Hunderte Anfragen von Mitgliedern zum SIWF. Der vsao beantwortet auch weitere Medienanfragen, unter anderem von der Tribune de Genève

Der vsao stellt verbindliche Anträge bezüglich der Tätigkeit des SIWF:

  • Das SIWF soll regelmässig zu Zahlen und Massnahmen rund um die Titelerteilung berichten.
  • Das SIWF soll bis Ende Juni einen realistischen Plan vorlegen, wie die offenen Titelgesuche bearbeitet und die Wartezeit auf 90 Tage reduziert werden kann.
  • Bis dahin soll es sich auf das Kerngeschäft Titelerteilung konzentrieren.

Die Anträge werden mit deutlicher Mehrheit angenommen. Der vsao hat darüber öffentlich via Newsletter, Website und Social Media kommuniziert und die Medien haben darüber berichtet: medinside.ch

An der Delegiertenversammlung der FMH zeigt der vsao die gravierenden Konsequenzen des Problems für die Ärzteschaft auf. Die DV stimmt dem Antrag des vsao zu, der fordert

  • dass das SIWF künftig transparenter sein muss in Bezug auf Ziele und Massnahmen
  • und dass an jeder DV ein strukturiertes Reporting über die Fortschritte bei der Titelerteilung präsentiert werden muss

Dass der vsao nicht untätig ist, sondern sich für die Betroffenen einsetzt und erheblichen Druck auf das SIWF ausübt, wird auch in den Medien aufgegriffen: medinside.ch 

nachdem keine weitere Kommunikation vonseiten des SIWF erfolgte. Darin steht:

  • Der vsao beklagt die mangelnde Transparenz und Kommunikation des SIWF
  • Das SIWF müsse dringend zusätzliche Stellen für die Titelbearbeitung schaffen
  • Der vsao kündigt an, an der FMH DV und an der Ärztekammer verbindliche Anträge zum SIWF zu stellen

Der vsao forderte darin:

  • Das Problem bei der Titelerteilung muss im SIWF erste Priorität erhalten und ausreichend Ressourcen dafür bereitgestellt werden
  • das SIWF muss proaktiv öffentlich und direkt an die Ärzt:innen kommunizieren
  • das SIWF soll geplante Änderungen dringend umsetzen und zeitnah darüber berichten

FAQ

Welche rechtlichen Möglichkeiten habe ich, um für meine finanziellen Einbussen aufgrund der langen Wartezeit entschädigt zu werden?

Der vsao ist nicht legitimiert, als Verband eine Klage oder Beschwerde gegen das SIWF einzureichen. Eine allfällige Schadenersatzklage muss die betroffene Person individuell führen. Am Ende wird jeder einzelne Fall vom SIWF geprüft werden müssen. Wie die Chancen auf einen Erfolg stehen, hängt sehr stark von den konkreten Umständen im Einzelfall ab. Da die Rechtsschutzversicherung des vsao, bei der die vsao-Mitglieder versichert sind, nur arbeitsrechtliche Konflikte abdeckt, wäre eine solche Klage durch diese Versicherung nicht gedeckt. Trotzdem steht die Rechtsberatung durch die vsao-Sektionsjurist:innen den Mitgliedern gerne für weitere Auskünfte zur Verfügung.

Wie steht der vsao zum Verein «Relève Médicale Suisse», der Anfang Oktober entstand und der diesen juristischen Weg beschreitet?

Diese Gruppe wurde von betroffenen Ärztinnen und Ärzten gegründet, die genug hatten von den langen Bearbeitungszeiten und den juristischen Weg einschlugen. Sie haben auch die Aufsichtsbehörden eingeschaltet. Wir verstehen, dass sie diesen Weg beschreiten, der kurzfristig gesehen individuelle Erfolge bringen kann. Der vsao hat jedoch sowohl die heute noch wartenden als auch jene Ärzt:innen im Blick, die ihr Facharztgesuch in den nächsten Monaten und Jahren einreichen. Sie alle würden unter einem Zusammenbruch des SIWF erheblich leiden. Die ärztliche Weiterbildung soll weiterhin in Händen der Ärzteschaft bleiben. Das SIWF soll Teil der FMH bleiben und die Bearbeitungszeiten müssen nachhaltig sinken. Das gelingt am besten, indem wir versuchen, die Krise konstruktiv innerhalb der FMH gemeinsam zu lösen. Durch Rechtsverzögerungsbeschwerden und Schadenersatzklagen kann die Lösung der Krise nicht beschleunigt werden.

Wie konnte es so weit kommen, dass die Bearbeitungsdauer bei Titelgesuchen so stark angestiegen ist?

Das ist tatsächlich nicht nachvollziehbar. Lange wurde uns versprochen, dass das SIWF auf einem guten Weg sei. Trotzdem wurde die Bearbeitungszeit immer länger. Deshalb braucht es nun die externe Untersuchung der Vorgänge im SIWF, die von der Ärztekammer am 6. November 2025 beschlossen wurde. Der Aufarbeitungsprozess ist wichtig, um solch eine Krise in der Zukunft um jeden Preis zu verhindern.

Mein Titelgesuch ist seit mehreren Monaten hängig, eine Rückmeldung des SIWF gibt es nicht. Was kann ich tun?

Das SIWF hat die Möglichkeit eingerichtet, ein Härtefallgesuch zu stellen. Dazu muss dieses Formular ausgefüllt werden. Die Bedingungen, um als Härtefall zu gelten, ist, dass das Gesuch seit mindestens drei Monaten hängig ist. Zudem muss mindestens eine der folgenden Bedingungen erfüllt sein:

  • Facharzttitel notwendig für Antrag Berufsausübungsbewilligung und Einstieg in Praxis
  • Facharzttitel notwendig für Fellowship im Ausland
  • Facharzttitel notwendig für Antritt einer anstehenden Anstellung (mit Vertrag)

Mein Gesuch für eine schnellere Behandlung als Härtefall wurde nicht bewilligt. Was kann ich tun?

Generell kann wie auch bei ausstehender Rückmeldung nur ein erneutes Nachfragen beim SIWF helfen. Der vsao kann nicht bezüglich einzelner Gesuche intervenieren oder den Prozess in Einzelfällen beschleunigen. Der vsao hat keinen direkten Einfluss auf die operative Tätigkeit des SIWF.

Ich möchte mein Titelgesuch demnächst einreichen. Worauf muss ich achten?

  • Gesuch drei Monate vor Abschluss der letzten Weiterbildungsperiode vollständig einreichen.
  • Auf Vollständigkeit und Korrektheit des Dossiers achten.
  • Keine nicht anrechenbaren Belege im eLogbuch hochladen.
  • Bei Kursen und Tagungen immer die Teilnahmebestätigung hochladen – die Anmeldebestätigung genügt nicht.
  • Im jeweiligen Weiterbildungsprogramm nachschauen, welche Nachweise notwendig sind. Bei Unsicherheiten vor dem Einreichen erfahrene Kolleg:innen oder die Weiterbildungsstättenleiter:innen fragen und die Dokumente im eLogbuch gemeinsam überprüfen.
  • Zeugnisse müssen die Daten der Periode enthalten, für die sie ausgestellt wurden und von der richtigen Person unterzeichnet sein.
  • Das FAQ und die Anleitung des SIWF zum Thema Logbuch und Titel lesen.

Weitere Fragen und Antworten gibt es auf der Website des SIWF.

Stand: 26.11.2025